
Liebe Gemeinde,
im Januar 2026 begehen wir ein „kleines“ Jubiläum:
Seit dem Jahr 1925 wurde bis zum Januar 1926 der alte Turm unserer Kirche aus dem Spätmittelter saniert und um einen Glockenstuhl erhöht. Bis zum heutigen Tag schlagen im alten Turm zwei Glocken, die uns „die Zeit ansagen“.
Notwendig ist das sicher im Zeitalter von Handys und Armbanduhren wohl nicht mehr und doch kann uns der Glockenschlag unserer Turmuhr, wenn wir ihn wahrnehmen, gelegentlich zu einem Innehalten mitten im Alltag bewegen: Unser Leben ist zeitlich begrenzt und deshalb wertvoll. Gott schenkt uns jede Sekunde, jede Stunde und jedes Jahr. Der Klang des Stundenschlags einer Glocke kann uns für ein paar Momente aus unserem oft hektischen Alltagsgetriebe wohltuend herausnehmen und unseren Sinn auf die wirklich wichtigen Dinge in unserem Leben lenken. Und wenn wir dann vielleicht auch noch auf dem Kirchberg oder auf der „Alt Sossenheim“ stehen und auf unsere Kirche mit ihrem alten Turm blicken, dessen Baugeschichte vermutlich bis in das Jahr 1218 zurückreicht, dann wird uns bewusst: Wir sind es, die die Lebens- und Glaubensgeschichte unserer Gemeinde St. Michael weiterführen.
In den Bau unserer neuen Kirche, deren Grundsteinlegung vor 60 Jahren, am 12. Dezember 1965 erfolgte, wurde dieser alte Turm organisch integriert. Tradition, Weiterentwicklung und Kirchenreform gehen im Bau unserer Kirche St. Michael Hand in Hand und natürlich im Leben unserer Gemeinde „mit immer noch erfreulich vielen lebendigen Steinen“. Seit nun 100 Jahren ist der alte Turm nach seiner Erhöhung um 4,50 Meter mit seinem markanten Hahn auf der Turmspitze noch deutlicher zu sehen, als zuvor. Unser Auftrag ist es unsere Kirche St. Michael als Mittelpunkt unseres Stadtteils dauerhaft zu erhalten und vor allem die christliche Botschaft, die in den Gottesdiensten in unserer Gemeindekirche verkündet wird, im Alltag zu leben und sie sympathisch in den Stadtteil hineinzutragen.
Wir danken Frank Durda sehr herzlich für die Informationen und das Bildmaterial, das er uns für die Erstellung dieses Faltblatt zur Verfügung stellte.
Christiane Hampel, Vorsitzende des Ortsausschusses
Petra Rink, stellvertretende Vorsitzende des Ortsausschusses
Pastoralreferent Michael Ickstadt, Seelsorger für St. Michael
Erhöhung des alten Turms der Kirche St. Michael im Jahr 1925/1926
Am Sonntag, 18. Januar 2026 begehen wir im Rahmen des Sonntagsgottesdienstes um 9.15 Uhr in unserer Kirche St. Michael den 100. Jahrestag der Erhöhung des alten Turms um eine Glockenstube. Die Baumaßnahme wurde Mitte Januar 1926 abgeschlossen.
Bis 1917 gab es jeweils nur zwei Glocken im alten Glockenturm.
1917 Herausgabe der kleinen Glocke von 1838.
Die große St. Michael-Glocke bleibt.
Die kleine Bronzeglocke fällt den Kriegszwecken zum Opfer und wird am 30.07. 1917 abgeholt.
Letztes Läuten der kleinen Glocke am Vormittag des 29.07.1917 um ½ 9 Uhr.
1922 Anschaffung einerneuen„kleinen Bronzeglocke“ durch die Zivilgemeinde als Ersatz für die im Krieg herausgegebene Glocke.
1925 Die Instandsetzungsarbeiten des 1582 erbauten Kirchturms beginnen am 21. September 1925. Ein neues Glockengeschoss wird eingefügt und dabei der Turm um 4,50 m erhöht. Der Turm wurde 1661 vom Mainzer Liebfrauenstift der Zivilgemeinde Sossenheim übergeben.
1926 Ein Glockenstuhl für drei Glocken wird im mittelalterlichen Turm installiert, pünktlich am Tag der 220. Kirchweihe der St. Michaelskirche !
Es folgt die Herausgabe der kleinen Glocke von 1922 während des 2. Weltkriegs.
Die große St. Michael-Glocke verbleibt in der Gemeinde und übersteht den 2. Weltkrieg.

1955 Die St. Michaelskirche erhält zwei neue Glocken:
Die 24 Zentner schwere Marien-Glocke, die von der Kirchengemeinde bezahlt wird und die 16 Zentner schwere Nikolausglocke, als Ersatz für die im 2. Weltkrieg herausgegebene kleine Glocke wird diese Rechtsnachfolgerin der Zivilgemeinde, der Stadt Frankfurt, bezahlt.
Damit hat die Kirchengemeinde erstmals drei Glocken im bereits 1926 dafür ausgebauten Glockenstuhl des alten Turmes.
1967 Mit Erstellung eines neuen Turmes gelangen alle drei Glocken in den neuen Turm der katholischen St. Michaelskirche.
Zeittafel der Instandsetzung und Aufstockung des kath. Kirchturmes 1925/1926 (aus der Chronik „Gelebter Glaube“ 2006)
1925
20.05.1925: Tagesordnungspunkt und Beschluss der zivilen Gemeindevertretung
Unter Punkt 8 der Tagesordnung wird die „Instandsetzung des Gemeindeturmes an der katholischen Kirche“ aufgeführt.
25.07.1925: Der kath. Kirchenvorstand und der Gemeindevorstand der Gemeinde Sossenheim entschieden über die Vergabe der Arbeiten.
21.09.1925: Seit diesem Tag umgibt ein Baugerüst den katholischen Kirchturm.
14.10.1925: Mittwochnachmittag zwischen 2-3 Uhr / Meldung als Lokalnachrichtvom 17.10.1925: Sturmschaden – Das Baugerüst am Turm der katholischen Pfarrkirche wird von einem heftig gehenden Sturmwind umgestürzt. Sossenheimer Zeitung (SZ) Nr.83/1925

1926
Zeitungsmeldung vom 13.01.1926:
Die Instandsetzungsarbeiten am Kirchturm haben eine einstweilige Vollendung erfahren. Darüber erhebt sich und dreht sich seit gestern Nachmittag der neue Kirchturmhahn. (SZ Nr. 4 / 1926)
Zeitungsmeldung vom 27.01.1926:
Die Instandsetzungsarbeiten am Turm der alten Kirche gehen ihrem Ende zu. Heute, am Tag des Heiligen Chrysostomus, ist der Turm von seinem Baugerüst frei geworden, das ihn seit dem 21. September des vorigen Jahres umgab. Der neue Turm gereicht dem Dorfe Sossenheim zur Ehre und gibt dem Dorfbild eine vorteilhafte Bereicherung. (SZ Nr.8 /1926)
Zeitungsmeldung vom 19. Juni 1926:
Wieder eine Kirchturmuhr
Unsere Gemeinde wird durch einen Beschluss der Gemeindevertretung wieder mit einer Kirchturmuhr beglückt, sodass wir in nächster Zeit nicht mehr so sehr auf die gewohnte Zeitangabe der Sirene der Höchster Farbwerke angewiesen sind. Die Uhr erhält vier Zifferblätter und wird die halben und ganzen Stunden des Tages anschlagen (SZ Nr. 49/ 1926)


